Das Wichtigste in Kürze
Blasenkatheter werden nach drei Merkmalen unterschieden: nach dem Zugangsweg (transurethral durch die Harnröhre oder suprapubisch durch die Bauchdecke), nach der Tragedauer (Einmalkatheter zum sofortigen Entfernen oder Dauerkatheter zum Verbleiben) und nach Bauform und Material (zum Beispiel Nelaton- oder Tiemann-Spitze, aus Latex oder Silikon). Welcher Katheter zu dir passt, entscheidet dein Arzt je nach Ursache, Situation und Dauer der Versorgung.
Die vier wichtigsten Katheter-Arten im schnellen Überblick:
Transurethraler Einmalkatheter
Wird durch die Harnröhre eingeführt, entleert die Blase und wird sofort wieder entfernt. Ideal zur regelmäßigen Selbstentleerung.
Transurethraler Dauerkatheter
Bleibt über die Harnröhre in der Blase und wird über einen kleinen Ballon fixiert. Für eine längere Ableitung des Urins.
Suprapubischer Katheter
Wird vom Arzt über die Bauchdecke direkt in die Blase gelegt. Schont die Harnröhre und eignet sich für eine dauerhafte Versorgung.
Intermittierender Selbstkatheterismus
Du führst den Einmalkatheter mehrmals täglich selbst ein. Nach kurzer Anleitung ist das im Alltag gut umsetzbar.
Nach dem Zugangsweg: transurethral oder suprapubisch
Das erste Unterscheidungsmerkmal ist, auf welchem Weg der Katheter in die Blase gelangt.
Transurethraler Katheter
Der transurethrale Katheter wird durch die Harnröhre in die Blase geführt. Das ist der häufigste Weg. Er lässt sich ohne Operation legen und eignet sich sowohl für die kurzfristige als auch für die längere Anwendung.
Suprapubischer Katheter
Der suprapubische Katheter, auch Bauchdeckenkatheter genannt, wird vom Arzt über einen kleinen Schnitt in der Bauchdecke direkt in die Blase gelegt. Er schont die Harnröhre und wird oft gewählt, wenn ein Katheter dauerhaft nötig ist oder die Harnröhre nicht genutzt werden kann.
Nach der Tragedauer: Einmalkatheter oder Dauerkatheter
Das zweite Merkmal ist, wie lange der Katheter in der Blase bleibt.
Einmalkatheter
Ein Einmalkatheter wird eingeführt, entleert die Blase und wird sofort wieder entfernt. Danach wird er entsorgt. Diese Methode heißt intermittierender Katheterismus. Führst du den Katheter selbst ein, spricht man vom intermittierenden Selbstkatheterismus, kurz ISK. Nach einer kurzen Anleitung ist das für viele Betroffene gut in den Alltag integrierbar.
Dauerkatheter
Ein Dauerkatheter, auch Verweilkatheter genannt, bleibt über einen längeren Zeitraum in der Blase. Damit er nicht herausrutscht, wird er über einen kleinen mit Flüssigkeit gefüllten Ballon fixiert. Diese Bauform heißt Ballonkatheter oder Foley-Katheter. Der abgeleitete Urin sammelt sich in einem Urinbeutel.
Nach Bauform und Material
Auch bei Spitze und Material gibt es Unterschiede, die für den Komfort wichtig sind.
Form der Katheterspitze
Die häufigste Form ist der Nelaton-Katheter mit einer geraden, abgerundeten Spitze. Der Tiemann-Katheter hat eine leicht gebogene Spitze und wird oft bei Männern eingesetzt, etwa bei einer vergrößerten Prostata, weil er sich leichter einführen lässt.
Material und Beschichtung
Katheter bestehen meist aus Silikon oder Kunststoff, seltener aus Latex. Viele Einmalkatheter sind hydrophil beschichtet. Diese Schicht wird mit Wasser aktiviert und macht den Katheter gleitfähig, was das Einführen angenehmer und schonender macht.
Größe in Charrière
Die Dicke eines Katheters wird in Charrière angegeben, abgekürzt Ch, teils auch French oder Fr. Ein Charrière entspricht einem Drittel Millimeter. Welche Größe passt, hängt von Alter und Anatomie ab und wird ärztlich festgelegt.
Welcher Blasenkatheter passt zu wem?
Welche Art von Katheter die richtige ist, hängt von mehreren Dingen ab: von der Ursache, der voraussichtlichen Dauer, deiner Beweglichkeit und deinen persönlichen Vorlieben. Ein Einmalkatheter gibt dir viel Freiheit im Alltag, ein Dauerkatheter nimmt dir das mehrmalige Einführen ab.
Die Entscheidung triffst du nicht allein. Dein Arzt oder deine Pflegekraft wählt gemeinsam mit dir die passende Lösung aus. Wichtig ist, dass du dich mit dem Katheter sicher und wohl fühlst.
Fazit
Blasenkatheter unterscheiden sich vor allem im Zugangsweg, in der Tragedauer und in Bauform und Material. Transurethral oder suprapubisch, Einmal- oder Dauerkatheter, Nelaton oder Tiemann: Für jede Situation gibt es die passende Lösung.
Wenn du die Unterschiede kennst, verlierst du die Scheu vor den Fachbegriffen und kannst gemeinsam mit deinem Behandlungsteam die richtige Wahl treffen. So findest du einen Katheter, der zu deinem Leben passt.
Häufige Fragen zu Blasenkatheter-Arten
Welche Katheterart hat das geringste Risiko für Harnwegsinfekte?
In der Regel der Einmalkatheter, weil er nach jeder Anwendung entfernt wird und keine dauerhafte Verbindung nach außen besteht. Ein liegender Dauerkatheter begünstigt Infekte stärker, weil Keime über den Schlauch in die Blase gelangen können. Deshalb wird der Einmalkatheter bevorzugt, wenn die Situation es zulässt.
Kann die Katheterart später gewechselt werden?
Ja. Viele Betroffene starten nach einer Operation mit einem Dauerkatheter und wechseln später zum Einmalkatheter, sobald sie die Selbstanwendung gelernt haben. Auch der Wechsel von der Harnröhre auf einen suprapubischen Zugang ist möglich. Die Entscheidung trifft immer dein Arzt.
Wie oft wird ein Einmalkatheter am Tag angewendet?
Meist vier bis sechs Mal täglich, also etwa im Rhythmus der normalen Blasenentleerung. Die genaue Zahl hängt von der Trinkmenge und der Blasenfunktion ab und wird von deinem Behandlungsteam festgelegt.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für Blasenkatheter?
Katheter gelten als Hilfsmittel zum Verbrauch nach § 33 SGB V. Bei ärztlicher Verordnung übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten. Es bleibt eine Zuzahlung von 10 Prozent, höchstens jedoch 10 Euro für den gesamten Monatsbedarf.
Darf ich mit einem Katheter duschen?
Duschen ist mit einem liegenden Katheter in der Regel möglich. Von Vollbädern und Schwimmbadbesuchen wird dagegen meist abgeraten, weil sie das Infektionsrisiko erhöhen. Frage im Zweifel bei deiner Pflegekraft nach, was in deiner Situation gilt.
Disclaimer
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Diagnose. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an einen Arzt oder eine Ärztin.



